Kunsttransit Karlsruhe, Herrenstrasse 28 - offen: Mi - Fr: 14.00 - 18.00 Uhr, Sa: 12.00 - 19.00 Uhr

"Dramatis personae" 11.08.-18.09.2010 // Vernissage: 14.08 19:00 Uhr

alle Termine von "Dramatis personae" im Überblick

Vernissage / Einführung in die Ausstellung: Frau Dr. Barbara Clemens // Vortrag: Telat Yurtsever (Regisseur, Hamburg) // Lesung: Ondine Dietz // Performance: Renate Schweizer

“Ein Drama ist aus vielfältigen Schriften zusammengesetzt, die verschiedenen Kulturen entstammen und miteinander in Dialog treten, sich parodieren, einander in Frage stellen. Es gibt aber einen Ort, an dem diese Vielfalt zusammentrifft, und dieser Ort ist nicht der Dramatiker (wie man bislang gesagt hat), sondern der Zuschauer. Der Zuschauer ist der Raum, in dem sich alle Zitate, aus denen sich eine Schrift zusammensetzt, einschreiben, ohne das ein einziges verloren ginge. Die Einheit eines Dramas liegt nicht in seinem Ursprung, sondern in seinem Zielpunkt.” (Roland Barthes: “Tod des Dramatikers”)

Positionen der zeitgenössischen Kunst beschäftigen sich zunehmend mit Inszenierungen, und werfen somit die Frage nach der Beschaffenheit der vemeintlichen, bewussten oder unbewusst dramaturgischen Konzepte, der Texte und Sub-Texte auf, die ihr zu Grunde liegen. Roland Barthes [ über "Roland Barthes" und "Strukturalismus" bei Wikipedia nachlesen ] (der als Vertreter des Strukturalismus, den Übergang zum Poststrukturalismus [ über "Poststrukturalismus" bei Wikipedia nachlesen ] markierte) und dessen Dramatheorie teilweise auch auf die Polymorphie [ "Polymorphie" = Vielgestaltigkeit ] der Positionen der zeitgenössischen Kunst übertragbar ist, meinte vor fast 40 Jahren, dass “die vielfältige Schrift nur entwirrt, nicht entziffert werden könne”.

Um die Möglichkeiten, die den künstlerischen Konzepten zugrunde liegenden “Schriften” zu entwirren, und vielleicht sogar,- Roland Barthes und Jaques Derrida, und somit ihren Theorie einer semantischen Dystopie [ "Dystopie" = Anti-Utopi ] des “Gesagten” in seinem schwierigen Verhältnis zum “Gemeinten” innerhalb eines spielerischen “als ob” widerlegend-, teilweise zu entziffern, geht es in dem Projekt “Dramatis Personae”.

Die Ausstellung “Dramatis personae” zeigt Kunstwerke, die sich mit dem Thema Drama, Inszenierung, literarischer Text, befassen, die aber sogleich, mittels der Analyse und Selbstanalyse autopoietisch [ "Autopoiese" = Prozess der Selbserschaffung ] entstandener Bezugsysteme, wie innerhalb einer lustvoll kreiierten Mise-en-Abyme [ über "Mise en Abyme" bei Wikipedia nachlesen ] , einen integriereten Diskurs der Reflexion über Wahrheit, Fiktion und deren Verhältnis zueinenader, präsentieren.

Wer sind sie,-in Wirklichkeit und in den fiktiven Welten der Literatur, Kunst und des Theaters- ,die handelnden Figuren, die Protagonisten und Antagonisten, die Nebenfiguren, welche Stimmen sind vernehmbar im Chor der vielfältigen Hypostasen [ "Hypostase" = Seinsstufe ] des potentiell “autodiegetischen” [ bei Wikipedia nachlesen ] Erzählers, dessen Werk als Symbolsystem seiner komplexen narrativen Skripte verstanden werden kann? “Madame Bovary c´est moi!”, erklärte Gustave Flaubert, als man ihn nach der wahren Identität seiner Romanfigur fragte: Welchen unbewussten und bewussten Mechanismen der Auswahl und der Entscheidung zufolge wird im Prozess des künstlerischen Elaborierens aus dem vielschichtigen, mäandrischen [ "mäandrisch" = sich (entgegen der Hauptrichtung) windend ] “Ich” ein symbolisches Alter Ego, die Synthese: “Madame Bovary”? Welche Mechanismen der Projektion und der Sublimation werden in unseren fiktionalen Dramen aktiv? Welche intertextuelle Galaxien verbirgt ein postmodernes Kunstwerk, ein literarisches oder eins einer anderen Gattung?

Nicht um Psychoanalyse und Psychodrama, viel mehr um komplexe Psychogramme, die sich dramatisch komplex im Kunstwerk selbst konstituieren, und die, mittels “mimesis“ [ "Mimesis" = das Vermögen, mittels einer körperlichen Geste eine Wirkung zu erzielen ] und “showing”, ästhetische Kategorien innerhalb eines Spannungsfeldes, das von der Griechischen Tragödie bis zum show-act der Performance und zum “Rimini Protokoll” der (Auto) Entthronung des allwissenden Dramatikers/Künstlers reicht, re-phänomenalisieren, geht es in dem interdisziplinären Projekt “Dramatis personae”, dessen Veranstaltungen und Ausstellung im Zeitraum 11.08 - 18.09.2010 in KUNSTtransit stattfinden.

Gezeigt werden Video und Fotoarbeiten, Installationen, Objekte von: Renate Schweizer, Birgit Spahlinger, Thorsten Hallscheidt, Ulrike Tillmann, Simone van gen Hassend, Ondine Dietz und Libuse Schmidt, die sich mit der Thematik der Intertextualität der kryptischen “Schriften” und Dramaturgien im interdisziplinären Kosmos von Literatur-Theater-Bildende Kunst-Medienkunst befassen, mit der Idee der Kunst als Inszenierung des “stream of consciousness”, mit dem “Bühnenbild” und mit dem “Bild als Bühne” für geschriebene und ungeschriebene dramaturgische Kompositionen, und parallel dazu kunsttheoretische Kategorien und Konzepte auf ihre Weise explorieren und überprüfen.


alle Termine zu "Dramatis personae"

Ausstellung: 11.08 - 18.09.2010 innerhalb der Öffnungszeiten

Samstag 14.08 19:00 Uhr: Vernissage / Einführung in die Ausstellung: Dr. Barbara Clemens // Vortrag von Telat Yurtsever [ über "Telat Yurtsever" bei Wikipedia nachlesen ] (Regisseur, Hamburg) // Lesung aus dem Erzählband “Meister Knastfelds Hybris” von Ondine Dietz // Performance "Rollenspiele" von Renate Schweizer

Freitag, 03.09 19:00 Uhr: Horst Samson liest aus: "Und wenn du willst, vergiss" (POP-Verlag)

Samstag, 04.09 19:00 Uhr: Rainer Wedler liest aus: "Die Leihfrist", Roman (POP-Verlag)
// 21:00 Uhr: "Tread lightly" Performance von Libuse Schmidt und Ulrike Tillmann

Sonntag, 05.09 20:30 Uhr: MONEY-FACTORY „Geldritual“, Musikalische Performance mit Simone van gen Hassend, Herbie Erb, Alenka Joviale, Gästen und dem Geldbaum. Anschließend Tanzmusik mit DJ Pearls before the Swine (Herbie)

Freitag, 10.09 19:00 Uhr: Johann Lippet liest aus: "Dorfchronik" (POP-Verlag)

Freitag, 17.09 20:00 Uhr: Birgit Spahlinger liest aus: "kleine Flammen - thrillsnippets"


Weitere Termine aller Lesungen und Performances werden noch angekündigt.


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