Kunsttransit Karlsruhe, Herrenstrasse 28 - offen: Mi - Fr: 14.00 - 18.00 Uhr, Sa: 12.00 - 19.00 Uhr
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Das umgedrehte Sektglas erschien als Graffiti am Ende der achtziger Jahre in den Strassen Manhattans. Die negative Symbolik des Zeichens war eindeutig und wurde sofort verstanden. Die Stadt und die Wirtschaft waren in der Krise, die großen Clubs gingen Pleite, Reagans Alpträume mussten bezahlt werden. Die Kunst und Kulturgewinner drängten sich in die Küchen und Wohnzimmer der Subkultur um sich deren Ressourcen zu sichern. Die eindeutige Aussage des umgedrehten Sektglases wurde jedoch diffus und verlor an Kraft, sobald sie von Interessensgruppen gedeutet wurde. Das Zeichen wird ambivalent, wenn es vereinnahmt, lokalisiert oder ausgerichtet wird.
Die öffentliche Diskussion in den lokalen Medien lieferte verschiedene Ansätze: „NY is dead“, „Party over“, „Fuck you“ oder ein „Manifest ohne Worte“ wurden hineingelesen. Radikale Betrachter erkannten, je nach Standpunkt, eine zahnlose Kampfansage an die Wall-Street oder an das Kulturestablishment. Als kindlichen Versuch das „System“ mit Zeichen anzugehen wurde es ebenfalls verstanden.
Das Phänomen war von kurzer Dauer. Nach einiger Zeit verschwanden die Graffitis aus dem Straßenbild. Überzeugend scheint uns das Symbol in seiner primitiven Kraft und direkten Ansprache. Wir nutzen das umgedrehte Sektglas als visuelles Zeichen zur Ausstellung, da wir unser Tun unter anderem auch in der Tradition und Pflege von Widersprüchen begreifen.
Ulrike Tillmann | Aus einem Tischtuch mit aufgenähten Motiven und Mustern werden, nach dem Wunsch des Publikums, Teile herausgeschnitten. Überreste des Urbildes bleiben, als zufällige Strukturen, in den verbleibenden Orginalpartien als Fragment erhalten. Die herausgelösten Teile verwandeln sich nach Wille und Geschmack der Betrachter in Orginale. Das Zerstückeln von Bildern ist ein weitverbreiteter Brauch in der Geschichte des Kunstraubes. Dieser darf hier nach dem freien Willen des Publikums gepflegt werden.
Hubert Krauth | Kunstrezepte, inklusive Profi-Tipps zum versalzen und verbrennen. „Das schockierende im Kunstbetrieb sind absichtlich mißverstandene Herzlichkeiten.“
Uwe Tillmann | [1] Copies: Die Tradition des Kopierens wird an Sujets demonstriert, die dafür nicht vorgesehen sind.
[2] Collections: Vasen, Löffel, Kämme, Schlüssel und andere Gegenstände werden an „Endstationen“ wie Billigflohmärkten oder bei der Heilsarmee abgeholt. In strukturierte Ordnung gebracht sollen sie eine Dynamik gegen die eigene „Wertlosigkeit“ entwickeln.
Einführung zur Ausstellung von Thilo Baier und Ondine Dietz. Im Anschluss spielt das „Huuwul Minimal Orchestra“ | [g [Hubert Krauth] trp [Roland Spieth] dr [Giga Brunner]]
Die zehn Musiker von „Unfinished Business“ spielen neue Musik/Improvisation/Neuer Jazz. [sax [Florian Wolpert, Christian Steuber, Dietrich Foth] trp [H.P. Ockert, Roland Spieth] pos [Moritz von Woellwarth, Klaus Burger] kb [Roman Rothen] vibr [Giga Brunner] dr [Andreas Nolde]]